Miroslav Tichy

Miroslav Tichy

Art-Brut Fotografie

Miroslav Tichy, 1926 in Mähren, Tschechische Republik, geboren, ist der spektakulärste Künstler der tschechischen Kunstszene der letzen Jahrzehnte. Sein Erscheinen mit seiner ersten Ausstellung im Haus der Kunst Zürich 2005 war soweit überraschend, dass sich zugleich ein Mythos über seine Nichtexistenz breit machte….


Tichy´s fotografisches Werk, so etwas wie lyrisches Konzeptualismus, basiert auf seinem persönlichen Lebensstil. Etwa 30 Jahre lang, zwischen 1955 und 1985, fotografierte er das Geschehen in seiner heimatlichen Kleinstand. In erster Linie waren es Frauen, junge Mädchen beim Sonnenbaden oder im Park, ältere Frauen auf dem Markt und auf der Straße.

Seine Vorliebe für Frauen und ihre Körper wird von einigen als Voyeurismus, von anderen als Hommage an die weibliche Figur bezeichnet. Er selbst sagt, er stelle nur dar, was wirklich sei. Bewundernswert ist auch die Menge an Fotografien, die er gemacht hat. So hatte er über Jahrzehnte hinweg die Maxime, täglich eine bestimmte Anzahl an Bildern mit selbst gebastelten Kameras zu schießen.

Die verschwommenen und verwaschenen Fotografien entwickelt er selbst, auf ihnen finden sich so gut wie immer Bromflecken, Fingerabdrücke oder auch das ein oder andere Mal eine mitentwickelte Fliege. Das alles gehört seiner Meinung zur Kunst dazu. Die Bilder selbst klebt er meist auf Pappe und malt ihnen manchmal mit Filzstiften bunte Rahmen. Hin und wieder “verbessert” (sic!) er die Bilder auch durch Nachzeichnen einiger Linien, z.B. der Augenbrauen oder der Beine. So entstehen ausschließlich Unikate, die Sammlern bereits 12.000 Euro wert waren.


Impressionen

Das Museum für moderne Kunst Frankfurt/Main hat 80 Fotografien und einige Zeichnungen erworben.

“Das Aufregende seiner Bilder liegt aber nicht nur in ihrer poetischen und sehnsuchtsvollen Qualität begründet, sondern auch darin, dass ihre Heimlichkeit über eine persönliche Besessenheit hinausgeht. Versteckt zu fotografieren, Bilder zu horten, die niemand sehen darf, Kunst fast als illegale Aktion zu betreiben: Das war auch ein bewusstes Nein gegenüber der Kontrolle des öffentlichen Raums und der öffentlichen Bilder. So ist es doch ein Akt der Subversion gegen den Kunstbetrieb und seine Definitionsmacht.”
Die TAZ


Curriculum

2005 Kunsthaus Zürich
2008 Museum für moderne Kunst Frankfurt/Main

Biennale Sydney

Trienale of Contemporary Art Prag
Kunsthaus Bregenz
Magasin 3 Stockholm Konsthall
Centre Pompidou Paris
2009 Kunsthalle Krems
2010 International Center of Photography, New York